26.10.15

Religionsgemeinschaften vernetzen sich

Um in einen partnerschaftlichen Diskurs einzutreten, haben sich am 26. Oktober 2015 Vertreter verschiedener Religionen zu einem „Rat der Religionen Stuttgart“ zusammengeschlossen. Die Gründungsmitglieder unterzeichneten die Satzung, die die Arbeit des Rates regelt.

Satzung unterzeichnet: Die Mitglieder des neuen Rates der Religionen [Foto: Kath. Stadtdekanat]

In der Überzeugung, dass die verschiedenen Religionen einen wesentlichen Beitrag zu einem guten und friedlichen Zusammenleben zwischen Menschen leisten können und sollen, haben der evangelische Stadtdekan Søren Schwesig und sein katholischer Kollege Msgr. Dr. Christian Hermes die Bildung des „Rates der Religionen Stuttgart“ initiiert. Am 18. Mai 2015 traten zum ersten Mal Vertreter der größeren Religionsgemeinschaften oder Verbände zu einer Sondierungsgruppe zusammen. Sie berieten über die Grundlagen der gemeinsamen Arbeit im „Rat der Religionen Stuttgart“. Im Juli verabschiedeten sie die Satzung, die mit der Konstituierung Grundlage der Arbeit und der Aufnahme neuer Glaubensgemeinschaften und Mitglieder ist.

Eine gemeinsame Stimme in der Stadtgesellschaft

In Stuttgart bekennen sich mehr als drei Viertel der Bürgerinnen und Bürger zu einer Religion, davon rund 70 Prozent zum Christentum. Durch die große Zahl von Flüchtlingen wächst die Notwendigkeit, sich mit und zwischen den Religionen auszutauschen. Denn sie haben sämtlich einen religiösen Hintergrund, der, etwa im Fall der verfolgten Christen aus Syrien und dem Irak, oft auch ein wesentlicher Grund ihrer Flucht war und ist. Aufgrund der wichtigen Rolle, die die Religion für viele Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger spielt, stehen für den „Rat der Religionen Stuttgart“ gesellschaftliche und politische Fragen der Religion in der Landeshauptstadt im Vordergrund.  Er will hierfür Ansprechpartner sein, zu gemeinsamen Themen Stellung beziehen und somit das Verständnis der Religionen untereinander und zwischen der Stadtgesellschaft fördern. In nächster Zeit werden das unter anderem Fragen der Religion im Kontext von Migration und Flucht sein. Auch mit dem Wunsch nach zentralen Gebetsräumen für Muslime in Stuttgart und mit schulischem Religionsunterricht will sich der „Rat der Religionen Stuttgart“ beschäftigen. Er lädt jährlich zu einem „Tag der Religionen“ ein, der den interreligiösen Dialog über die Mitglieder des Rates hinaus erweitert.

Neue Mitglieder sind willkommen

In der Satzung bekennen sich die Mitglieder klar zur Verfassung und zur Religionsfreiheit. Ausdrücklich sind die Stuttgarter Religionsgemeinschaften, die die Voraussetzungen der Mitgliedschaft erfüllen, eingeladen, im „Rat der Religionen Stuttgart“ mitzuwirken. Die Voraussetzung ist nicht gegeben bei Organisationen, die oder deren Untergliederungen von staatlichen Behörden als extremistisch eingestuft werden.

Zum „Rat der Religionen Stuttgart“ gehörten bisher

•    die Alevitische Gemeinde Stuttgart e.V. (vertreten durch Hr. Yesilyurt Yücel und Fr. Alev Durmaz),
•    die D.I.T.I.B. Türkisch-Islamische Union e.V. (vertreten durch Hr. Ali Ipek und N.N.),
•    der Evangelische Kirchenkreis Stuttgart (vertreten durch Stadtdekan Søren Schwesig und Fr. Sabine Mezger),
•    die Griechisch-Orthodoxe Kirche (vetreten durch Dr. Athenagoras Ziliaskopoulos, Archimandrit des Ökumenischen Patriarchats, und Dr. Christos Garidis),
•    die Islamische Gemeinschaft Stuttgart e.V. (vertreten durch Dr. Ferid Kugic und N.N.),
•    die Jüdische Gemeinde Stuttgart (vertreten durch Fr. Barbara Traub und N.N.),
•    das Katholische Stadtdekanat Stuttgart (vertreten durch Stadtdekan Msgr. Dr. Christian Hermes und Fr. Verena Neuhausen)
•    und der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ), Moschee, Kultur- und Bildungswerk Stuttgart e.V. (vertreten durch Hr. Yilmaz Sen und Hr. Per Kazim).
•    Als beratendes Mitglied gehört in Vertretung von Oberbürgermeister Fritz Kuhn der Bürgermeister für Ordnung, Sicherheit und Recht Dr. Martin Schairer dem Rat an.

Der Rat hat sich konstituiert: Sprecher und Koordinator gewählt

In seiner konstituierenden Sitzung vom 26. Oktober hat der „Rat der Religionen Stuttgart“ seine Sprecher und seinen Koordinator gewählt. Der evangelische Stadtdekan Søren Schwesig wird als Koordinator die Arbeit des Rates organisieren und zu dessen Sitzungen einladen, die in der Regel dreimal im Jahr stattfinden sollen. Gemeinsam mit Schwesig übernehmen Vertreter der verschiedenen Religionsgruppen die Funktion als Sprecher/-innen des „Rates der Religionen Stuttgart“.

Folgende Mitglieder werden den „Rat der Religionen Stuttgart“ als Sprecher/-innen nach Außen vertreten:

  • Für das Christentum: Søren Schwesig (Evangelisches Stadtdekanat Stuttgart), Stellvertreter: Dr. Christos Garidis (Griechisch-Orthodoxe Kirche)
  • Für das Judentum: Fr. Barbara Traub (Jüdische Gemeinde Stuttgart), Stellvertreter: N.N.
  • Für den Islam: Hr. Ali Ipek (D.I.T.I.B. Türkisch-Islamische Union e.V.), Stellvertreter: Dr. Ferid Kugic (Islamische Gemeinschaft Stuttgart e.V.)
  • Für Aleviten und weitere Religionsgemeinschaften: Hr. Yücel Yesilyurt (Alevitische Gemeinde Stuttgart e.V.), Stellvertreterin: Fr. Alev Durmaz (Alevitische Gemeinde Stuttgart e.V.)


Die Sprecher/-innen werden außerdem die Geschäfte des Rates führen und seine Beschlüsse umsetzen. Ebenso wie der Koordinator/ die Koordinatorin übernehmen sie ihr Amt für eine Amtszeit von zwei Jahren.

Weitere Informationen: ratderreligionenstuttgart.wordpress.com